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Die Deutsche Bank & das Problem der Terrorfinanzierung

Veröffentlicht (Aktualisiert: ) in Investigativjournalismus, Geopolitik, Polemik, Unwahre Polemik. Schlagwörter: , , , , , , , , , .

CVE International GmbH: die Hamas, Iran und Assad

Die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Iran belasten seit Jahren das transatlantische Verhältnis. Während der Iran an Atomwaffen forscht, liefert Siemens Technologien aller Art. Die Heuchelei der wiedergutgewordenen Deutschen, wenn es um ihr eigenes Saudi Arabien – Iran – geht, ist nicht von der Hand zu weisen. So wurde die Zweckgesellschaft Instex mit dem einzigen Ziel gegründet die Iran-Sanktionen zu umgehen.

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Der Deutsche Bank Kunde CVE International GmbH ist im Großhandel mit Papier und Pappe tätig. Das Unternehmen beschäftigt sieben Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 16 Millionen Euro. Die UBOs der Firma sind Jie und Christian Alexander Meiswinkel.

Laut bisher geheimen Bankdokumenten, die dem Autor exklusiv vorliegen, machten Transaktionen mit Unternehmen aus der Palästinensischen Autonomiebehörde sowie den Marshallinseln eine tiefergehende Untersuchung der CVE International GmbH nötig. Da bei der Gegenpartei aus Palästina möglicherweise ein Hamas-Bezug bestand, wurden auch branchennahe Unternehmen aus Iran sowie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten näher analysiert. Laut den US embassy cables Leaks unterstützten zumindest private Spender aus den UAE die Hamas.

Verdächtig erschienen dem Analysten der Deutschen Bank drei Transaktionen seitens der UNITED MEGA CO. LTD: vom 20.10.2017 über 99.980 USD, vom 16.10.2017 über 19.069,40 USD sowie vom 05.06.2017 über 28.024 USD.

Die UNITED MEGA CO. LTD ist zudem auf die Adresse des Trust Company Complex gemeldet. Der Trust ist sowohl in den Offshore-Leaks bereits negativ als Adresse für Briefkastenfirmen aufgefallen, als auch als Adresse für im Zuge des Syrien-Konflikts aufgrund illegaler Öl-Lieferungen sanktionierter Unternehmen. Die CVE International GmbH handelt mit Spezialpapier sowie mit petrochemischen Produkten wie Bitumen. Das Geld wurde teils mittels zweier Transaktionen vom 24.11.2017 sowie 28.11.2017 – jeweils 50.000 USD – zurückgezahlt. Die Waren der Transaktion vom 16.10.2017 wurden laut Rechnung an die Linyi Changjun International Trading Ltd geliefert. Jene Gegenpartei bestellte Holz für insgesamt 19.094,40 Euro. Unklar blieb, wieso die UNITED MEGA CO. LTD, die laut maritimen Logistikdokumenten nur Shipper war, das Geld transferierte. Gleiches gilt für die Transaktion vom 05.06.2017.

Adresse
Beispielhafte (max. Darstellungsfunktion ICIJ) Visualisierung der Verbindungen der Adresse des Trust Company Complex

Eine weitere Briefkastenfirma mit Sitz auf den Marshallinseln, die EASELINK INC., ist nicht nur gleichermaßen auf die Adresse des Trust Company Complex gemeldet, sondern überwies darüber hinaus am 16.06.2017 64.129,35 USD an die CVE International GmbH. Laut Rechnung wurde Spezialpapier an die chinesische Firma Jiangsu Provincial Foreign Trade Corporation geliefert. Das Unternehmen importiert und exportiert hauptsächlich Metallprodukte, Chemikalien, Textilrohstoffe und mehr. Der Name der Easelink Inc. findet sich nicht auf den Rechnungsdokumenten, obwohl sie das Geld als Transaktionsgegenpartei überwies.

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Beachtet die Firmen mit der Adresse des Trust Company Complex

Zudem transferierte ein Mohammad Kamal Alay am 04.10.2017 137.680 Euro an die CVE International GmbH. Die Überweisung fungierte als Restzahlung für eine Rechnung über 295.000 Euro. Ein Muhammad Kamal (a.k.a. ALAY, Muhammad Kamal Salamah) steht auf der Specially Designated Nationals and Blocked Persons List (SDN) der USA. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, im Zentrum eines kriminellen Finanzierungsnetzwerkes zu stehen, dass das iranische Regime über die libanesische Hisbollah mit dem militärischen Arm der Hamas – den al-Qassam-Brigaden – verbindet. Die USA haben sowohl die Hamas als auch die Hisbollah als Terrororganisation eingestuft. Al-Ayy wird beschuldigt als finanzieller Vermittler für die Überweisung von Geldern an die Hamas gearbeitet zu haben. Der Name Mohammad Kamal Alays tauchte jedoch auf den Rechnungsdokumenten nicht auf, sondern die Mediterranean Paper Mill aus Lattakia – Syrien. Es gehört wohl zur Allgemeinbildung zu wissen, dass der syrische Staat ein sanktioniertes Regime ist, welches seit einem Jahrzehnt inmitten eines Stellvertreterkrieges untergeht.

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Die Taschentuchfabrik in Syrien: Grüße an Lothar (Vgl. Onkel-Passage Freunde werden Feinde) – Deutschland sollte sich diese Fabrik bereits jetzt für meine Eltern reservieren
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Maurice Stette – Hatte ich nicht anonym geposted?

Lattakia liegt in der Nähe der russischen Khmeimim Air Base. Russland liefert über den Hafen Lattakias Gebrauchsgüter aller Art, worunter auch Waffen fallen, und ist mit Kriegsschiffen vor Ort präsent. Iran und Russland führen eine strategische Partnerschaft in Syrien.

Fassen wir zusammen:

Ein Terrorverdächtiger mit Verbindungen in den Iran und zur Hamas etc. überweist Geld aus Palästina. Die Waren werden jedoch nach Syrien geliefert, wobei die Branche mit jener des Deutsche Bank Kunden kohärent ist (Spezialpapier), jedoch Sanktionsverstöße nicht ausgeschlossen werden können. Der Name des Terrorverdächtigen hingegen taucht auf den Rechnungsdokumenten nicht auf.

Zudem wurden am 18.09.2017 23.534 Euro seitens der RAID ALSAQQA AND PART. CO. überwiesen. Das Spezialpapier wurde laut Rechnungsdokumenten in Qingdao (China) aufgeladen und nach Ashod (Israel) transportiert. Die Gegenpartei Raed Rafiq Alsaqa and Partners konnte mittels des Internets nicht identifiziert werden.

Pikanterweise ergab laut einem internen E-Mail Verlauf die Abfrage der Öl-Raffinerie Memaran Tejarat Aftab in der entsprechenden Embargoliste der Deutschen Bank keinen Treffer, obwohl das Unternehmen als Teil der petrochemischen Industrie Irans sanktioniert wurde.

Zudem ergab die Abfrage des Terrorverdächtigen Mohammad Kamal Alay in den einschlägigen Systemen für die Identifizierung sanktionierter Terroristen keinen Treffer. In der arabischen Welt werden je nach Region und Dialekt unterschiedliche Vokale verwendet oder übersprungen. Namen werden zusammen-, mit Bindestrich oder Leerzeichen geschrieben. Dieses Phänomen führt zu unterschiedlichen Ergebnissen in der entsprechenden Analysesoftware. Da gerade im arabischen Raum die Finanzierungsnetzwerke des islamistischen Terrorismus existieren, könnte dies ein systematisches Problem sein, welches zu massiven Fehlern führt, insofern Terrortreffer aufgrund der Transliterationsschwierigkeit der Banksysteme etc. nicht erkannt werden.

Unterschiedliche Transliterationen von Namen aus dem arabischen in das lateinische Alphabet führten laut internen E-Mail-Verläufen zu unterschiedlichen Ergebnissen – sowohl in dem alten System (PCR) als auch in dem neuen System (Ficrosoft).

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Ficrosoft
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PCR

Allein der Name des Propheten lässt sich in den mannigfaltigsten Varianten schreiben:

Muhammad, Mohammed, Mohamed, Mohammad usw. usf.

In dem vorliegenden Fall bestanden die Sanktionen gegen Mohammad Kamal Alay erst seit dem Jahr 2019, jedoch betrieb er spätestens seit 2016 Geldwäsche für die Hamas zum Zweck der Terrorfinanzierung. Die Hamas wurde bereits zum Zeitpunkt der fraglichen Transaktion als Terrororganisation eingestuft.

Der Iran sowie die Hisbollah assistieren dem syrischen Regime, welches wiederum die Region um Lattakia vermittels russischer Unterstützung kontrolliert. Die Abfrage der Rechnungspartei Mediterranean Paper Mill in Sanktionslisten führte ferner zu einem Treffer. Verdächtig erschien hierbei, dass ein Terrorverdächtiger mit Verbindungen in den Iran und zur Hamas Geld aus Palästina überwies, die Waren jedoch laut Rechnung an ein sanktioniertes Unternehmen in Syrien geliefert wurden. Die Beziehung zwischen der Hamas und der Hisbollah war zwar wegen der Unterstützung konkurrierender Seiten während des syrischen Stellvertreterkrieges ambivalent, so verlagerte die Hamas ihr Hauptquartier aufgrund der Unterstützung der islamistischen Opposition von Damaskus nach Doha (Katar), während der iranische Proxy Assad unterstützte, aber seit 2017, dem Zeitpunkt der Transaktion, fand unter Vermittlung des Irans eine Annäherung statt, die erklären würde, warum ein zum Zeitpunkt der Transaktion noch nicht sanktionierter (ergo: noch nicht überführter) Hamas-Geldwäscher Geld im Auftrag des syrischen Regimes überwies. Gekauft wurde laut Rechnung Spezialpapier. Es besteht somit der dringende Tatverdacht der Terrorismusfinanzierung sowie möglicher Sanktionsverstöße.

Dennoch forderte die Senior-Analystin den entsprechenden Zeitarbeiter auf, den Fall möglicherweise über die Prüfung weiterer Unterkonten der CVE International GmbH unter einem holistischen Blickwinkel zu plausibilisieren, obwohl der Terrortreffer sowie die Sanktionsverstöße bekannt waren. Der Hinweis auf das Transliterationsproblem wurde mit „ich bin mir nur nicht sicher, inwiefern, dass unser Problem ist“ (Deutsche Bank Analystin) abgeschmettert.

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Beispiel einer sanften Variante des Plausibilisierungsdrucks
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Transliterationsfehler augenscheinlich nicht das Problem der DB-Compliance
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Arbeitsethos sowie beispielhafte Reaktion auf Spezialfragen und potentielle Probleme

Dass fragwürdige Geschäfte mit dem Iran kein Einzelfall im Business der Deutschen Bank sind, beweist der Fall der Düllberg Konzentra GmbH und Co. KG.

Der Deutsche Bank Kunde bekam am 25.01.2017 9.985,00 USD seitens der EST MOHAMMAD H ALOTAIBI aus Saudi Arabien gutgeschrieben. Am 18.11.2019 wurden 21.288,28 Euro von der TM Primrose LTD aus Hongkong transferiert.

Die Branche des Unternehmens EST MOHAMMAD H ALOTAIBI konnte in Wirtschaftsdatenbanken nicht identifiziert werden. Internetrecherchen zur TM Primrose LTD führten auf eine unvollständige Homepage, die angab, dass die TM Primrose LTD im Handel mit Plastik und Metallen tätig gewesen sei. Das Googeln der hinterlegte Telefonnummer führte auf diverse andere Firmen, deren Webseiten ähnlich aufgebaut und die teils dieselbe Adresse besitzen, jedoch augenscheinlich in einer differierenden Branche (Textilien etc.) aktiv sind.

Laut internen Bankdokumenten ist die TM Primrose LTD auf eine Adresse in Hongkong gemeldet: „ROOM 1801-03 18/F EAST TOWN BUILDING 41 LOCKHART ROAD WAN CHAI HON“. Recherchen im Internet ergaben, dass dies ein Coworking Space ist. Die unvollständige Homepage als auch das Büro im Coworking-Space sind idealtypische Charakteristiken einer Briefkastenfirma. Laut internen Bankdokumenten und einem Treffer in Sanktionslisten handelt es sich bei der TM Primrose LTD um einen Zwischenhändler für den Iran.

Coworking Space
Coworking Space

Der Deutsche Bank Kunde legte der kundenbetreuenden Stelle Rechnungen vor, die die Transaktionen nicht plausibilisieren konnten.

Die Transaktion vom 25.01.2017 über 9.985,00 USD seitens der EST MOHAMMAD H ALOTAIBI aus Saudi Arabien wurde angeblich für die Afaq Co. Import Export aus Ägypten durchgeführt, jedoch legte die Düllberg Konzentra GmbH und Co. KG der Deutschen Bank keine Dokumente vor, die dies beweisen würden.

Nicht nachvollziehbar erscheint ebenso, dass auf der Rechnung für die Transaktion seitens der TM Primrose LTD die Pirouz Soap MFG. Co. vermerkt ist – eine Firma in Iran. Laut öffentlich zugänglichen Quellen ist sie in der Seifenindustrie tätig. Da das Geld jedoch von einer Briefkastenfirma überwiesen wurde, Rechnungs- und Transaktionspartei somit voneinander abweichen, als auch die Rechnungspartei in Iran liegt, ist der Verdacht auf Geldwäsche und Umgehungsgeschäfte dringlichst gegeben. Stattdessen verlor der entsprechende Analyst nach zwei Feedbackgesprächen seinen Job.

ANTWORTEN JETZT
Die Leaks der Panama-& Paradise-Papers sowie der Offshore-Leaks umfassen die komplette Bandbreite der Finanzkriminalität als auch legale Steueroptimierung. Die Deutsche Bank behandelt Treffer jedoch ausschließlich als „legale Steueroptimierung“

Wer sich nach dem Transliterationsproblem, sowie dem manifesten Druck einen Fall mit möglichem Bezug zu Terrorfinanzierung und Sanktionsverstößen zu plausibilisieren, noch über Skandale innerhalb der Compliance-Abteilung der Deutschen Bank wundert, der wird wohl nicht mehr schlau in seinem Leben. Im Nahen Osten gilt hingegen das moralische Existentialurteil weder für fanatische Araber, rechtsextreme Türken noch theokratische Perser Partei zu ergreifen, sondern sowohl die islamfaschistische Spielart des Schiismus als auch jene des Sunnismus vehement zu bekämpfen und den grassierenden Stellvertreterkriegen zur Not mit Gewalt ein schnelles Ende zu bereiten.

Dies wäre gelebter Antifaschismus.

Iran
Google-Ergebnisse für die Suche der Telefonnummer der TM Primrose LTD