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„SS-SA-USA“ – Eine kurze Bestandsaufnahme deutscher Ideologie – Teil I

Veröffentlicht (Aktualisiert: ) in Polemik.

„Aber es wurmte mich, dass diese armen Deutschen solche Scheißkerle sind.
Wenn ich zurückkomme wollte ich sagen: Hier, ihr Scheißkerle.
Ich habe was für euch komponiert.“ Hanns Eisler – Deutsches Miserere

Präventionsparadox, oder: Der Grund warum Nürnberg nicht Kulturhauptstadt 2025 wurde! Exklusiv nur auf laemmergeier.info

Die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ (Eike Geisel) lässt sich an jeder x-beliebigen deutschen Stadt belegen. Oft verbindet sie sich mit dem deutschen Selbstverständnis als Kulturnation (im Unterschied zur Staatsnation amerikanischen Zuschnitts). So auch in Nürnberg. Was ist schon Zivilisation, wenn die Deutschen Franz Ruff, Walter Brugmann und Albert Speer haben. Ersterer wurde als Architekt für die SS-Kaserne der „deutschesten Stadt“ (Hitler) berufen, in der heute, nach dem Abzug der US Army, geschmackvoll das „Bundesamt für Migration“, kurz: BAMF, sowie der Zoll beherbergt sind. Gleich nebenan, im „Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur“, sehen die Leute aus als kämen sie gerade von der Ostfront nach Hause. Die Panzerschokolade (oder: Pervitin) ist auch heute noch eine beliebte Stimulanz in Nürnberg.

Der hintere Bereich des ehemaligen „Arbeiter-Wohnkomplexes“ der Deutschen Arbeitsfront dient gegenwärtig als staatliche Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Die Adresse des Dokumentationszentrum lautet im Übrigen „Bayernstraße 110“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Doch wer nun schon genug hat, sollte den Artikel besser weglegen. Echte Franken sind immer eine Spur stumpfer. Nicht umsonst fuhr die NSDAP ihre besten Ergebnisse in puncto Mitgliederzahl und Wählerstimmen in Mittelfranken ein. Und nicht umsonst eroberten die Amerikaner Nürnberg an Hitlers Geburtstag. Die Stadt der Reichsparteitage und Rassengesetze („Nürnberger Gesetze“) war dem Führer stets treu ergeben. Dies erinnert nicht von ungefähr an die Liebe der Nürnberger ihrem „Glubb“ gegenüber. Wie im zweiten Weltkrieg stehen die Nürnberger eisern zu den Verlierern.

Ich persönlich glaube ja, dass Arno Hamburger in seinem Vorhaben, aus Nürnberg die Stadt der Menschenrechte zu machen, gescheitert ist. Er hat es zumindest versucht. Doch gedankt haben es ihm die Nürnberger scheinbar nicht. Denn im YouTube-Video des Kanals der Stadt Nürnberg – „Plakataktion zum 25. Jubiläum der Straße der Menschenrechte“ #Graffiti statt Picasso – wird er nicht erwähnt.
Bei dem gegenwärtigen Zustand des UN-Menschenrechtsrats könnte man ohnehin ebenso gut für das Gegenteil argumentieren (Vgl. Irina Bokowa, Ehemaliges Mitglied der Jury des Nürnberger Menschenrechtspreises: Kulturhauptstadt 2025?). Doch dies soll hier nicht Thema sein. Nürnberg ist das Thema. Die Stadt, welche derzeit versucht Europas Kulturhauptstadt 2025 zu werden. Ich hoffe in der Bewerbungsmappe sind Bilder von der „Großen Straße“, der „Kongresshalle“, dem „Zeppelinfeld“, oder der „Zeppelinhauptribüne“ zu sehen. Der Granit für die Bauwerke wurde von den KZ-Häftlingen der Lager Flossenbürg, Mauthausen, Groß-Rosen und Natzweiler-Struthof gebrochen. Natürlich bauten die guten Deutschen als Erinnerungsneurotiker später ein Mahnmal.

Nürnberg punktet vor allem mit imposanter, deutsch-faschistischer Architektur, einer Burg, die das Herz eines jeden Romantikers höher schlagen lässt, und viel Industrie. Markenzeichen der Architektur „Made in Germany“ sind Monumentalität, asketische Fassadengestaltung und kultisch-sakrale Ästhetik. Die schiere Größe der Bauten flößt dem autoritären Charakter Ehrfurcht ein. Er geht in der Architektur unter, wie vor Führer und Volksgemeinschaft. Der Führer stand erhöht: Der Sadomasochismus und die „Germanomanie“ (Saul Ascher) brannten sich in das Bild der Stadt. Allgemein ist den Nürnbergern klar, dass Hochkultur und Vernichtungsindustrie zwei verschiedene Seiten derselben Medaille sind. Der Januskopf der Nürnberger ist das eiserne Kreuz. Der Triumph des (guten) Willens – welcher im gleichnamigen Film von Leni Riefenstahl zu bewundern ist – ist noch stark in Nürnberg.

Es sollte klar geworden sein, dass die Bewerbung absurd ist. Doch das Leben ist eine Absurdität. Es gab zwar große Künstler und Denker, welche zwischenzeitlich in Nürnberg weilten, oder gar hier geboren wurden. Doch Hegel spielt an der „Philosophischen Fakultät“ der FAU keine Rolle mehr. Das Erbe ist verloren. Die Kultur, die Nürnberg fortsetzt, zeigt sich in den Handelsbeziehungen zwischen Siemens und dem Iran. Doch damit nicht genug:

Kaserne Bamf Antiamerikanismus
Die Bushaltestelle des Mahnmals „Hiroshimaplatz“ vor der ehemaligen SS-Kaserne
Zahlaus Quelle Buchform RIP
Quellenhinweis

Die Platzanlage nördlich der Frankenstraße, welche früher Hildebrandstraße hieß, wurde 1992 in „Hiroshimaplatz“ umbenannt. Nicht zufällig sieht man im Hintergrund die alte SS-Kaserne. Die „ganz gewöhnlichen Deutschen“ (Goldhagen) lassen es sich nicht nehmen kulturelles Kapital aus der Shoah zu pressen. So sind sie von Vernichtungsweltmeistern zu Mahnmalexperten mutiert. Die neuen Deutschen sind gute Menschen. So gut, dass sie anderen Nationen – 47 Jahre nach dem Genozid – das Lied vom Tod vorspielen mussten. Der Tod (heute: Revisionismus) ist nach Paul Celan bekanntlich ein Meister aus Deutschland. Und für die Deutschen spielt es keine Rolle, ob die industrielle Vergasung von 6 Millionen Menschen etwas dezidiert anderes ist, als eine Atombombe – innerhalb eines Krieges als moral bombing – auf eine fanatische Nation abzuwerfen, welche im Übrigen mit ebenjenen Deutschen verbündet war. Ein Anruf bei dem Archiv der Stadt Nürnberg genügt (Grüße gehen an Herrn Steven Zahlaus), um festzustellen, dass sie auch heute nicht begreifen können, dass die „Amis“ ihre Geschichte selbst überdenken müssen. Doch nach dem Spiegelgate, welches durch Relotius bloß (#Hitler-Tagebücher #Notabene) aufgewärmt wurde, sollte die Hoffnung auf eine Abkehr vom Antiamerikanismus endgültig begraben werden. #CNN=Relotius=Sager Eckart

Ich schlage vor, den Platz in „SS-Platz“ umzubenennen und die Bewerbung für die Kulturhauptstadt Europas 2025 zurückzuziehen. Auch könnte man die Gelder für künftige Mahnmale stattdessen in Projekte für politische Bildung investieren.
Nürnberg bleibt „asozial“.
Go, Hildesheim!

SS-SA-USA, Nürnberg den 23.01.2019