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Gastbeitrag I: Misogyner Feminismus oder männerhassende Borderlinerinnen? (Updated: Podcast!)

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Could it be that Olga is anti-Zionist because she became borderline due to the trauma of her father’s early death, while I developed ADHD and became anti-German due to my brutal father?

Da Laemmergeier.info gegenwärtig mit lebenspraktischen Problemen beschäftigt ist, publizieren wir zu dieser schwierigen Zeit den Gastbeitrag von Marina Moeller-Gambaroff Emanzipation macht Angst, erschienen in: Kursbuch Frauen, März 1977.
Mit der Psychoanalytikerin und Feministin Moeller-Gambaroff soll die Frage aufgeworfen werden, ob die postmodernen Phänomene der Cancel-Culture, Sprechverbote und fehlenden inhaltlichen Auseinandersetzung bei Frauen nicht oftmals auf eine autoritäre Mutter-Kind-Dynamik zurückgeführt werden können, sodass eine theoriegeleitete Verschiebung des Hasses gegen die sowie der Angst vor der eigenen Mutter auf Männer stattfindet, wobei die daraus resultierenden Vernichtungsphantasien und despektierlichen Redeverbote von feministischen Eunuchen aufgrund (unwahrscheinlich eintretender) libidinöser Wunschvorstellungen sekundiert werden (These I – 110% gesichert). So beziehen sich Critical-Whiteness-Theory und Post-Colonial-Studies auf eine begriffliche Matrix, die dem Queer-Feminismus der 3. und 4. Frauenbewegung entsprang. Bereits 1977 – der Endphase der zweiten Frauenbewegung – bemerkte Marina Moeller-Gambaroff einen sukzessiv wachsenden, irrationalen Hass auf (und Angst vor) Männer(n), der die Szene bis heute stringent prägt.
Zudem bestanden die Soziologie-Master-Kurse an der Friedrich-Alexander-Universität 2018 zu 70% aus Frauen:
16 Personen – von denen sich 50% wiederum als Feminstinnen verstanden, wobei sich zwei mit aufgeritzte Arme zierten. Aus dieser nicht-repräsentativen, explorativen Statistik leite ich die These ab, dass sich die von Moeller-Gambaroff beschriebene, vereinnahmende Mutter-Kind-Dynamik bei 25% aller Feministinnen zu Borderline entwickelt (These II – 75% gesichert). Den Widerspruch, der sich daraus ergibt, dass in therapeutischen Kreisen angenommen wird, dass bei Borderlinerinnen (nebst frühkindlichen Traumata wie Vergewaltigung, früher Tod des Vaters etc.) das Elternhaus zumeist passiv (Vgl. Kritik an moderner Arbeitsgesellschaft) – ergo: nicht vereinnahmend – ist und Gefühle mit Geld gekauft werden, sollen professionelle Psychoanalytiker auflösen. Es ist ja nur eine These, welche jedoch von Élisabeth Badinters Einschätzung der Philosophie Judtih Butlers gestützt wird:
Was denken Sie über Judith Butlers Thesen?
Das grenzt schon an Wahnsinn. Judith Butler stellt nicht nur die Geschlechteridentitäten infrage, sie verneint das Konzept von Geschlecht selbst. Jeder hat einen weiblichen und einen männlichen Anteil in sich, es gibt kein reines Geschlecht mehr, kein ausschließliches Modell, dem man sich anpassen muss. Das hat wie eine Bombe eingeschlagen und das ist gut so. Aber von diesem Ausgangspunkt aus die Frage des Geschlechts und des Biologischen zu verneinen, sich zu weigern, von Mann und Frau zu sprechen, das ist wahnsinnig. Trotzdem, Butler treibt ihren Kulturalismus schon wieder so weit, dass sie mich interessiert. Ich finde ihre Arbeit sehr anregend, aber dann sage ich mir, dass sie doch ein bisschen Borderline ist.“ (Élisabeth Badinter, Hervorhebung: Laemmergeier.info)
Abgerundet wird jenes „mit dem Hammer philosophieren“ vermittels eines Exzerpts aus Simone de Beauvoirs Das andere Geschlecht, welches gerade die Schattenseiten des fälschlicherweise friedfertig genannten Geschlechts thematisiert (Menstruation, Schwangerschaft, biologisches Schicksal, Mutter-Kind-Dynamik etc.) sowie einer Erläuterung der Borderline-Störung durch einen professionellen Individualpsychologen, welcher leider (hätte er es mal besser gelassen) auch Thesen über Gesellschaft und Politik proklamiert.
#lobster
#Misogyner Feminismus
#Männerhassende Borderlinerinnen

#metoo

truth about Gender Studies

Marina Moeller-Gambaroff:
Emanzipation macht Angst

Frauen, denen es gelungen ist, in einem befriedigenden Beruf zu arbeiten, finanziell unabhängig und von häuslichen Pflichten weitgehend entlastet zu sein, bilden noch immer eine privilegierte Minderheit. Beim Beobachten eigener und fremder Emanzipationsversuche hat es mich immer wieder verblüfft, wie unsicher und ängstlich Frauen sein können, die, objektiv betrachtet, ein großes Stück Selbständigkeit verwirklicht haben. In der Position einer autonomen Person zu sein, mobilisiert bei Frauen offenbar besondere Konflikte, die nach meinen Erfahrungen fast immer dieselbe Quelle haben. Was hat sie bisher gehindert, aktiv zu werden? Ist es die Angst, gegenwärtige oder zukünftige Partnerbeziehungen aufs Spiel zu setzen, tief eingewurzelte Gefühle über das Verhältnis von Mann und Frau aufgeben zu müssen und damit orientierungslos zu werden? Ist es die Angst vor zuviel Nähe zum eigenen Geschlecht und damit zu homosexueller Verführung? Ist es also eine Flucht vor der eigenen latenten Homosexualität, weil diese einen dazu bringen könnte, Beziehungen zu Männern überhaupt in Frage zu stellen? Ich glaube, dies alles und mehr spielt eine Rolle. Für mich gibt es jedoch noch einen anderen, sehr entscheidenden Gesichtspunkt: ich halte weite Teile der Frauenbewegung für prinzipiell männerfeindlich, obwohl nicht immer manifest. Damit verbunden ist der Mangel an konkreten Entwürfen und seien sie zunächst auch utopisch für eine emanzipierte Sexualität zwischen den Geschlechtern. Über die existentielle Dringlichkeit der Forderungen nach Befreiung der Frau von patriarchalischen Strukturen besteht kein Zweifel. Es muß aber differenziert werden zwischen den herrschenden patriarchalischen Normen und Praktiken und der Tatsache, daß Männer wenn auch kaschierter und qualitativ anders ebenfalls auf spezifische Weise in unserer Gesellschaft ausgebeutet werden. Wir begegnen dem Patriarchat im Hier und Heute in seiner untrennbaren Verflechtung mit dem kapitalistischen System und seiner bereits automatisierten Eigendynamik, die längst nicht mehr den eigentlichen Bedürfnissen der Männer entspricht. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich nämlich, daß Männer durch das Patriarchat, das in weiten Bereichen mit der zerschleißenden Leistungsgesellschaft identisch ist, ebenfalls geschädigt werden. Frauen und Männer sind Opfer ihrer Rollen Frauen sind noch die Opfer der Opfer. Im patriarchalischen System werden Frauen und Männer notwendigerweise zu feindlichen Gruppen. Mehr noch: es ist im Interesse dieses Systems, das sich durch einen Gegensatz der Geschlechter nur stabilisiert. Solange das Feindbild Mann unreflektiert tradiert wird, arbeitet die Frauenbewegung selbst wenn auch unbewußt dem Patriarchat zu. Von daher ist es eminent wichtig, daß sie ihre Einstellung zum Mann immer wieder überdenkt. Bliebe sie nämlich primär männerfeindlich, dann würde sich einerseits die Kluft zwischen den Geschlechtern nur vertiefen und jeder Ansatz von Solidarisierung gegen das patriarchalische System würde noch weniger realisierbar sein, andererseits vermiede sie durch die permanente Orientierung an einem Außenfeind die Konfrontation mit spezifischen inneren Konflikten. Im Kampf gegen patriarchalische Prinzipien bietet der Mann natürlicher- und berechtigterweise ein klares Angriffsziel und schweißt zudem die eigene Gruppe enger zusammen. An diesem Feindbild ist noch ein anderer Mechanismus beteiligt ist.
Ein latenter innerer Konflikt soll unsichtbar bleiben. Der ausschließlich nach außen gerichteter Kampf wird zum Bumerang. Eine Abwehr hat natürlich auch eine nützliche Funktion. Sie kann für eine gewisse Zeit leistungssteigernd sein, weil sie Angst eindämmt. So ist die eindimensionale Sicht des Mannes sicher eine wichtige Antriebskraft der Frauenbewegung gewesen. Sie sollte jedoch überwunden werden. Ein Konflikt läßt sich erst lösen, wenn auch seine abgespaltenen, unbewußten Anteile bearbeitet werden. Offenbar schützen solche Abspaltungen, Projektionen, Externalisierungen und Verschiebungen davor, etwas Bedrohliches in sich selbst wahrzunehmen. Die Emanzipationsbewegung hat es bisher vermieden, sich mit einigen spezifischen weiblichen Ängsten bei der Identitätsfindung auseinanderzusetzen. Die allzu rigide Etablierung eines männlichen Feindbildes dient der Abwehr weiblicher Ängste und verhindert eine Identitätsfindung. Erst eine Analyse der abgespaltenen Anteile kann die volle Auflösung des zugrunde liegenden Konfliktes erleichtern und damit der Emanzipationsbewegung nützlich sein. Es geht ja darum, patriarchalische Strukturen abzubauen und gleichzeitig ein neues weibliches Selbstbewußtsein zu entwickeln. Die neu zu gewinnende Identität bliebe eine lückenhafte, oberflächliche, solange eine Integration der abgewehrten Anteile nicht stattfände. Der Gegensatz zwischen Männern und Frauen – Widerstand gegen die Emanzipation? Frauen werden ja in der Tat von Männern unterdrückt und ausgebeutet, so daß meine Argumentation zunächst nicht richtig erscheinen mag. Aber weil es sich beim Feindbild Mann um eine hochkomplexe Verflechtung von Realität und Phantasie handelt, findet der unbewußte Widerstand gerade hier einen besonders sicheren Schlupfwinkel. Versuche, diesen spezifischen eigenen (unbewußten) Widerstand der Frauen gegen ihre Emanzipation aufzuhellen, lassen sich zunächst durch reale Fakten über die Ausbeutung der Frau in einer männlichen Welt scheinbar widerlegen. Man muß sich an diesem Punkt der Unbequemlichkeit unterziehen, eine objektive Realität gleichzeitig auch als eine Phantasie anzusehen, ohne daß diese durch jene oder jene durch diese aufgehoben würde. Die Männerfeindlichkeit soll hier einmal unter dem Aspekt ihres Symptomcharakters betrachtet werden. Ein Symptom ist meist eine Kompromißbildung aus Verdrängtem und Abwehr. Durch Verleugnung oder Verschiebung unkenntlich gemacht, kehrt das Verdrängte wieder im Symptom, das quasi ein symbolischer Ersatz für den konflikthaften unbewußten Vorgang, also auch für die Befriedigung unbewußter Wünsche ist. Der Vorteil der Verdrängung: Das Verdrängte ist nicht mehr angstbesetzt. Welche Ängste mildert das Symptom Männerfeindlichkeit und wofür ist es symbolischer Ersatz? Es handelt es sich hier um auf den Mann verschobene Ängste aus der frühen Mutter-Kind- Beziehung. Um diesen mit der Mutter zusammenhängenden, sehr bedrohlichen Ängsten zu entgehen, hat eine Verschiebung eines großen Gefühlskomplexes von der Mutter auf den Mann stattgefunden. Die im Verhältnis zum Mann erlebte Feindseligkeit und Unterdrückung ist offenbar wesentlich leichter zu ertragen als die direkte Konfrontation mit der übermächtigen Mutter. Der Kompromiß besteht darin, daß Feindseligkeit und Angst erhalten bleiben. Während eine andere Figur (Mann) bekämpft wird, während das wahre Zielobjekt (Mutter) unerkannt. Es läßt sich vermuten, daß es die Frauenbewegung aus unbewußten, mit der Mutter-Kind-Beziehung verbundenen Ängsten heraus bisher vermieden hat, sich dieser Auseinandersetzung mit der Mutter zu stellen. Ein Ergebnis dieser Verschiebung ist die inzwischen offenbar gewordene Vernachlässigung und Benachteiligung der männlichen Kinder und Jugendlichen. Sie fallen aus der Schule heraus. Sie werden gewalttätig, weil niemand ihre Ängste (mehr) versteht. Sie sind die Bösen. Die früher selbstverständliche Einführung von Jungen in die Männergesellschaft (Initiation genannt) findet u. a. wegen der Rollen- Verunsicherung der Männer nicht mehr statt. Die Jugendlichen müssen sich selbst initiieren.
Die Bearbeitung der Mutterproblematik ist aber für jede Frau eine wichtige Bedingung, um sich zu emanzipieren. Die individuelle Bewältigung des Matriarchats geht der kollektiven Bewältigung des Patriarchats voraus. Die Emanzipation von der Mutter ist Voraussetzung für die weibliche Entwicklung. Eine unbewältigte Bindung an die Mutter führt zu gravierenden Schwierigkeiten in der Autonomiebildung und damit verbundenen Identitätslücken. Um diese These nicht nur abstrakt zu behandeln, will ich zunächst vier Frauen vorstellen und ihre Situation näher betrachten. Sie sind keine realen Personen, sondern fiktiv zusammengesetzte Personen, die ich aufgrund meiner Erfahrungen mit anderen Frauen und mit mir selbst als Typen zu Wort kommen lasse. Die vier Frauen führen nach objektiven Kriterien ein selbständiges, aktives Leben. Auf der subjektiven Ebene jedoch tun sich die vier mit der Autonomie schwer. Wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, haben sie doch das Gefühl, sich nur bruchstückhaft als Personen mit spezifischen Eigenarten, Wünschen, Fähigkeiten definieren zu können. Sie gehen sich selbst immer wieder verloren und empfinden sich ohne wirklich greifbare Konturen. Von ihren Partnern fühlen sie sich abhängig und sind teilweise unfähig, sich in ihre Beziehungen als autonome, abgegrenzte Personen zu erleben. Die erste Frau hat das Gefühl hat, keine eigene Persönlichkeit zu haben, und kompensiert dies mit überaus sensibler Anpassung an ihren Partner. Sie stellt sich auf osmotischem Wege, von Haut zu Haut vollkommen auf ihn ein. Sie wiederholt die Austauschprozesse, die in der Union von Mutter und Kind in der vorsprachlichen Zeit stattfinden. Sie strukturiert also ihre Partnerbeziehung genau nach dem symbiotischen Mutter-Kind-Modell, in der das Kind vollkommen abhängig von der Mutter ist. Im Grunde übernehmen ihre Partner das Erbe der Mutter. Auf einem unbewußten Niveau ist der jeweilige Partner für sie nicht so sehr er selbst als vielmehr eine Mutter. In einer solchen Beziehung verhindert die osmotische Durchdringung eine klare Abgrenzung und Individuation. Letztlich weiß sie gar nicht genau, wo sie aufhört und der andere (besser: die andere) beginnt. Nur eine von den vier Frauen hatte es weiter gebracht. Durch die Trennung von ihrem Partner war sie sehr heftig mit einem inneren Problem konfrontiert worden: ihrer Unfähigkeit, autonome sexuelle Bedürfnisse bei sich wahrzunehmen, geschweige denn, sie in die erotische Beziehung aktiv einzubringen. Bemerkenswert war, daß sie vor diesem Problem nicht den Rückzug angetreten, sondern sich den Ängsten gestellt hat, die sie bis dahin zu einer Unperson im Sexuellen gemacht hatten und die bei einer Erforschung der eigenen sexuellen Wünsche erneut anfluteten. So kam sie zunächst ihrem Gefühl nach unheimlich ins Rotieren, verlor den Boden unter den Füßen. Sie setzte ihren emotionalen Zustand mit der Unsicherheit eines Kleinkindes, das Laufen lernt, gleich. Bis zur Krise mit ihrem Partner hatte sie offenbar unter dem strengen Gebot gestanden, eine autonome Sexualität mit ihren Bedürfnissen zu unterdrücken. Ihr war es gelungen, sich diesem Gebot zu entziehen, indem sie es wagte, ihre sexuelle Identität trotz der damit verbundenen Ängste zu entwickeln und zu definieren. Sie war auf dem besten Wege, sich von einer angepaßten, wohlfunktionierenden, nur durch die Wünsche des Partners sich konturierenden sexuellen Unperson zu einer Frau mit einer klaren erotischen Identität zu entwickeln. Die eigenständige Artikulation ihrer Sexualität bedeutete das Wagnis, die Rolle der Tochter zu verlassen und selbst eine weibliche Position einzunehmen, mit einem Wort: erwachsen zu werden. Auch innerhalb der Wissenschaft hat sich eine deutliche Verschiebung der Betrachtung zugunsten früher Konstellationen in der Mutter-Kind-Beziehung ergeben. Eine modernere Interpretation weist darauf hin, daß das Freud sche Konzept der Weiblichkeit nicht unbeeinflußt ist durch eine männliche Gesellschaft. Wie stark die Theorie Freuds durch die Ära, deren Bürger er war, geprägt wird, zeigen noch die Arbeiten seiner SchülerInnen: Indem Freud die zeitspezifischen Ausprägungen der Viktorianischen Epoche (die weit verbreitete weibliche Frigidität und die hysterische Angst vor der männlichen Impotenz) vorwiegend als kulturelles und nicht als gesellschaftliches Phänomen begriff, erwies er selbst seine zeit- wie klassenspezifische Befangenheit… Da das Tabu, mit dem man die weibliche Sexualität belegte, besonders stark, und die aus solcher Verdrängung entstehende aggressive Trieb- Neugierde entsprechend intensiv war, ist die Frau ein besonderer Mittelpunkt der sexuellen Obsession gewesen. Man wird von solchen, tief in dem sexuellen Sündenbock-Denken der christlich-abendländischen Kultur verwurzelten Vorurteilen auch Freud nicht gänzlich frei sprechen können. Freuds wiederholt Vorurteile, die einer autoritären Kultur und Persönlichkeit entsprechen. Sie seien zu keinen wertvollen Kulturleistungen fähig. Er sprach ihnen ab 30 Jahren im Vergleich zu einem gleichaltrigen Mann jede weitere Entwicklungsmöglichkeit ab. Spätere Wissenschaftler haben sich darum verdient gemacht, die primäre Weiblichkeit der Frau verteidigt zu haben. Interessant ist in unserem Zusammenhang, daß in einer Arbeit ( Die Angst vor der Frau ) verschiedene Mythen und Legenden über Sirenen und Hexen erwähnt werden, die Angst und Abscheu vor der Frau ausdrücken. Viele Tabus sind also zum Schutz vor der Frau als bedrohlicher Mutter-Imago aufgerichtet worden. Das hieße darüber hinaus, daß die psychologische Wurzel für die Errichtung patriarchalischer Strukturen in der Angst vor Überwältigung durch die archaische Mutter zu suchen ist. Ich wage eine solche Hypothese, weil es bis heute keine ausreichende Theorie über die historischen Gründe der Errichtung von Männerherrschaft gibt. Das Matriarchat besteht vor dem Patriarchat. Die Abwehr dieses Matriarchates geht durch Unterdrückung und Entwertung der Frau und Usurpierung ihrer Potenzen vor sich. Die Mutter-Kind-Dyade ist natürlich für beide Geschlechter lebensgeschichtlich höchst bedeutsam. Hier will ich jedoch primär auf die frühe Beziehung von Mutter und Tochter eingehen. Wenn im folgenden vom Kind die Rede ist, sei zunächst an das kleine Mädchen gedacht. Denn es soll ja vor allem gezeigt werden, welche spezifischen weiblichen Ängste bei der Auflösung der Mutter-Tochter-Symbiose abgewehrt werden können. Nach einem Zustand der Vollkommenheit im Uterus und auch noch für kurze Zeit nach der Geburt beginnt das Kind, sich als äußerst hilflos und völlig auf die Mutter angewiesen zu erleben, die dadurch zu einer omnipotenten Figur wird. Das Kind erfährt in der phantasierten symbiotischen Verschmelzung mit der Mutter, die in einem sprachlosen Einverständnis mit ihm für seine volle Bedürfnisbefriedigung sorgt, Geborgenheit und Zufriedenheit. Diese frühe Beziehung zur Mutter kann aber auch Angst und Schrecken induzieren, vor allem dann, wenn die Mutter selbst diese Symbiose nicht angemessen leben kann. Der zentrale Einfluß der psychosozialen Bedingungen der Mutter Ihre ökonomische Lage, die Interaktion mit ihrem Partner; die Erfahrungen der eigenen Kindheit und hier wiederum ganz besonders die Beziehung zur eigenen Mutter und das daraus entstehende Mutterrollenstereotyp bedingen, wie die junge Mutter mit ihrem Kind umgeht. Diese und andere Faktoren, die ja alle auch eine Wechselwirkung haben, steuern das Verhalten der Mutter zu ihrem Kind mindestens ebenso, wie es die Bedürfnisse des Kindes tun. Solange sie ihre Omnipotenz in den Dienst des Kindes stellt, wird diese zuträglich sein. Bedrohlich wird die Allmacht der Mutter erst dann, wenn sie an der Hilflosigkeit und Verfügbarkeit des Kindes interessiert ist.
Eine durch ihre Lebensbedingungen beeinträchtigte oder sogar unterdrückte Mutter wird ihre omnipotente Rolle eher ausnutzen, um das Herrschaftsgefälle auf Kosten des Kindes zu erhalten. In einer so gearteten Beziehung entstehen wahrscheinlich besonders häufig feindselige Impulse gegen die Mutter, die aber nicht gelebt werden dürfen, da sie ja gerade das Kind selbst bedrohen würden. Die unbewußte Erinnerung an diesen Zustand hilflosen Ausgeliefertseins an die omnipotente Mutter bleibt erhalten. Sie kann, zumal wenn eine Auflösung der Dual-Union nicht gelingt, immer wieder mobilisiert werden, was entsprechende Abwehrstrategien zur Folge hat. Ebenso wie die Hilflosigkeit der ersten Zeit trägt auch die folgende Phase zum Erleben der mütterlichen Macht bei. Hier gerät durch das Sauberkeitstraining das Körperinnere unter die Kontrolle der Mutter. Die Mutter dieser Zeit hat einen eindringenden Charakter. Das Kind empfindet, daß sie sich seines Körperinneren, all der Kostbarkeiten, die es in sich trägt, bemächtigen kann. Ein symbolischer Ausdruck dafür ist die Phantasie vieler Kinder, die Mutter könne Gedanken lesen, es könnten ihr also selbst geheimste innere Regungen zugänglich sein. Ein weiteres Beispiel für die unzureichende Abgrenzung von der Mutter ist der Geständniszwang, unter dem selbst Erwachsene häufig noch stehen. Die Bemächtigung durch die Mutter weckt im Kind unausgesprochene Aggressionen gegen sie. Das Kind muß die von der Mutter ausgeübte Herrschaft als Manifestation ihres Interesses an dem Besitz interpretieren, und zwar bereits, wenn sich diese noch im Körperinneren befinden. Konsequenz: das Körperinnere gerät unter die mütterliche Kontrolle. Wie soll man sich von einer solchen Herrschaft freimachen, wenn nicht durch eine Umkehrung der Beziehung? So entstehen die mörderischen Phantasien vom Bauchaufschlitzen, das Körperinnere der Mutter herauszureißen, Ort und Funktion ihrer Herrschaft zu zerstören. Zum einen bedeutet die Kontrolle der Mutter über das Körperinnere für das Kind das implizite Verbot, sich seines Körpers selbst zu bemächtigen, seinen Körper als etwas Eigenes, von der Mutter Losgelöstes zu erfahren, also sich selbst zu besitzen. Zum anderen entstehen Aggressionen gegen die einschränkende besitzende Mutter. Darüber hinaus kann sich die Kontrolle durch die Mutter auch auf das Genitale des Kindes erstrecken. Da das Kind die autonome In-Besitz-Nahme des eigenen Körpers als verboten, ja sogar als aggressiven Akt gegen die Mutter erleben kann, wird die Masturbation zu einem Akt der Auflehnung gegen die Mutter und somit auch für das Kind potentiell bedrohlich. Die Masturbation ist für das Kind ein Weg, sich aus der Abhängigkeitsbeziehung zur Mutter zu lösen: Da ich es mir selbst machen kann, habe ich diejenigen überwunden, die mir die Lust bisher nach ihrem Gutdünken gewährt oder verboten haben. In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, daß die Mutter, etwa durch Körperpflege, das Kind sexuell tatsächlich stimuliert. Sie kann also in der frühen Kindheit über Gewährung oder Vorenthaltung von Lust bestimmen. Was entdeckt man auf dem Wege zum Orgasmus? Die Fähigkeit, sich eine Identität mit den Eltern vorzustellen, seine eigene Person in allen Positionen der Urszene zu sehen, und zwar auf sämtlichen Organisationsstufen der Urszene… Es ist verständlich, daß jede Hemmung einer solchen Begegnung mit sich selbst statt einer Identifizierung eine Lücke hinterlässt. Die notwendige Autonomisierung des Mädchens mit Hilfe der Masturbation kann natürlich empfindlich gestört und eingeschränkt werden, wenn die Mutter real nur schwer oder gar nicht in der Lage ist, sich mit der Verselbständigung ihres Kindes abzufinden. Wie sollte sie sich mit sich selbst begnügen, wenn ihr allein die Herrschaft über das Kind Befriedigung verschafft? Muß sie nicht eifersüchtig und argwöhnisch reagieren, wenn sie merkt, daß das Kind sich mit zunehmender Reifung von ihr löst? Die Wirkung des Masturbationsverbotes liegt genau darin, das Kind an den Körper der Mutter zu ketten und seinen eigenen vitalen Plänen Fesseln anzulegen. Hier geht es also um Mütter, die durch ihre Kinder die eigene subjektiv erlebte Unvollkommenheit ausgleichen müssen und von daher natürlich an einer autonomen Selbstentfaltung ihres Kindes nicht interessiert sind, sondern, im Gegenteil, sogar in Panik versetzt werden.
Die Bedeutung des Mädchens für die (unreife) Mutter Da Mütter in unserer patriarchalischen Gesellschaft im allgemeinen eben solche unselbständigen, sich unvollkommen und abhängig fühlenden Personen sind, dürfte es ein generelles, gesellschaftlich vermitteltes, mütterliches Charakteristikum sein, daß sie ihre Unterdrückung weitergebend die Verselbständigung ihrer Kinder zu verhindern versuchen. In gewisser Weise schafft also das Patriarchat ein besonders starres Matriarchat innerhalb der Mutter-Kind-Beziehung. Die Frau kann die Unterdrückung ihrer Kinder erst dann aufgeben, wenn sie sich ihre eigene Unterdrückung bewußt macht, also diese nicht mehr unreflektiert weitergibt. Das heißt aber auch, daß die Frau sich mit ihrem Leiden konfrontiert. Denn das Leiden zugeben, heißt die Schöpfung von Freiheit beginnen. Damit erhält die Frau eine zentrale gesellschaftliche Bedeutung. Sie erscheint als diejenige, die in der Lage ist, einen ausweglosen Zirkel zu durchbrechen, weil sie ihm direkt ausgesetzt ist und seine zerstörerische Kraft am eigenen Leib erfährt. Das Mädchen dürfte es schwerer als der Junge haben, die Symbiose mit der Mutter aufzulösen. Denn der Junge ist, zumindest durch seinen Körper, bereits von Anfang an als ein Anderer definiert. Sein Geschlecht gibt ihm gewissermaßen mehr Möglichkeit, sich von der Mutter abzugrenzen. Das Mädchen dagegen ist der Mutter ähnlich und muß trotz dieser Ähnlichkeit sein Anderssein manifestieren. Es muß auf andere Weise als der Junge einen Weg finden, sich in seinem Erleben als von der Mutter zu unterscheiden. Dies alles besagt im wesentlichen nur, wie entscheidend für die weibliche Entwicklung die Distanzierung von der Mutter ist und wie viel Angstbewältigung dies beinhaltet. Je kontrollierender eine Mutter ist, umso mehr wird sie sich durch die Abnabelung ihrer Tochter bedroht fühlen. und das anzustrebende Ziel Es handelt sich bei der Entwicklung zur Selbständigkeit um einen zweiseitigen Prozeß, in dem das Mädchen sich einerseits von der Mutter befreien muß, andererseits aber seine eigenen Ansprüche auf die Mutter aufgeben, dieser also ebenfalls Freiheit einräumen muß. Das Mädchen gibt damit den Wunsch auf, die Mutter ganz für sich haben zu wollen. Dies zeigt sich beispielsweise darin, daß die Tochter die Hinwendung der Mutter zum Vater zu akzeptieren beginnt. Dies wird wiederum durch das reale Ausmaß der mütterlichen Selbständigkeit erleichtert oder erschwert. Das Ziel einer geglückten Befreiung von der Mutter ist die angstfreie Besetzung der eigenen Sexualität, die verbunden ist mit der Bereitschaft, auch der Mutter eine autonome Sexualität zuzubilligen. Dies sind die unmittelbaren Voraussetzungen für die Entfaltung eines autonomen Selbst bei der Frau. Denn was beim Kind noch ein psychophysiologischer Vorgang ist, verwandelt sich im Laufe der Entwicklung durch seinen Symbolcharakter in eine allgemeine psychische Einstellung zu sich selbst und Empfindung von sich selbst. Die Auflösung der Mutter-Tochter-Beziehung ist beschwerlich und mobilisiert archaische Ängste. Eine der möglichen Abwehrmaßnahmen gegen diese Ängste ist die Ausbildung einer feindseligen Haltung gegen den Mann. Die Feindseligkeit gegen die Mutter, die aus der eigenen Hilflosigkeit entsteht, wird zunächst auf sie projiziert: dadurch erscheint sie bedrohlich. Dann wird dieser gesamte Gefühlskomplex auf den Mann verschoben. Die psychische Entlastung besteht darin, daß die Frau sich nicht mehr von der Mutter verfolgt fühlen muß. Im Gegenteil, sie hat einen bösen Außenfeind, den sie aufs heftigste bekämpfen kann, womit sogar z. T. auch ihre aggressiven Impulse (gegen die Mutter) befriedigt werden können. Die manifeste Männerfeindlichkeit unterdrückt also die äußerst bedrohliche Mutter- Angst. Das Ausmaß des Männerhasses ist somit proportional der eigenen Hilflosigkeit und dem daraus entstehenden Haß auf die Mutter und der Angst vor dieser. Solange dieser Aspekt der Männerfeindlichkeit unbearbeitet bleibt, erhält sich latent eine tiefe Abhängigkeit von der Mutter.


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