laemmergeier.info

Laemmfluencia oder Sponsored Content: Tatiana – Café de Especialidad, Specialty Coffee

Veröffentlicht (Aktualisiert: ) in Sponsored Content. Schlagwörter: , , , , , .

Da mir in einem Bewerbungsgespräch vorgeworfen wurde, ich wüsste nicht, wie Influencer funktionieren würden, hier der Beweis:
Influencer sind ein relativ junges Phänomen der Kulturindustrie, wobei scheinbar harmlose Themen, wie die beste Schwungtechnik beim Auftragen von Masakara, mit Schleichwerbung für bestimmte Produkte verknüpft wird.
Hinter Influencern steht zumeist eine große Marketingagentur. Rezo ist beispielsweise Ströer. Ströer besitzt einen signifikanten Marktanteil der Außenwerbung in Deutschland (Plakatwerbung, elektronische Anzeigen in der Innenstadt, etc.), sodass ein Einstieg in das granulare Zielgruppenmarketing der neuen Social-Media-Kanäle aus der Perspektive der Unternehmensentwicklung nur logisch erscheint. Oligopole und ihre Millionen Euros, die in professionelle Produktionsstudios investiert werden, dominieren folglich den Markt.
Um zu beweisen, dass ich ein Vogel bin, habe ich direkt nach dieser Beleidigung (als wüsste ich nicht, wie Influencer akkumulieren) durch die HR-Tussi eine Persiflage geschrieben (01.06.2021), die nun veröffentlicht wird (14.06.2021).

Es ist der 01. Juni 2021. Ich habe weder Job, noch legale Wohnung, rauche den obligatorischen Joint zum Frühstück und mache mich auf den Weg zur Confederación Nacional del Trabajo:
Versucht Xy oder Recruitment XY mich über den Tisch zu ziehen? Ich habe immerhin noch in Leiden einen Oboarding-Prozess erfolgreich absolviert, meine Wohnung in den Niederlanden aufgegeben und mich auf Zusage des US-amerikanischen Konzerns auf den Weg nach Barcelona gemacht:
Für einen gültigen Arbeitsvertrag benötigt man in Spanien jedoch scheinbar eine NIE-Nummer. Für jene eine Wohnung. XY beziehungsweise Recruitment-XY glauben, dass es möglich ist dies alles innerhalb von vier Wochen zu organisieren, obwohl alleine die Anmeldung der Wohnung, die für die NIE-Nummer benötigt wird, laut meinem über Spotahome gefundenen Vermieter, 1,5 Monate dauert. Der spanische Staat bietet zudem auf den entsprechenden Webseiten keine frei buchbaren Termine an, um die Sozialversicherungsnummer überhaupt erst zu beantragen, weshalb man die Seite wohl täglich mehrfach aktualisieren muss. Auf professionelle Agenturen, die jene Dienste für Expats erledigen, musste ich von einer weiteren Recruitment-Firma verwiesen werden.
Es ziemt sich für einen ideologiekritischen Anhänger der Bahamas zwar nicht, auf den angelsächsischen Krämergeist zu verweisen, gleichwohl ist das Verhalten von S. (s.@recruitmentXY.info) idealtypisch für einen britischen Klassenfeind ist:
Potentielle Arbeitnehmer absolvieren ein offizielles Oboarding-Programm und vorgelagerte Sprachtests, aber es scheint so zu sein, als würde den Job nur bekommen, wer es schafft innerhalb von 28 Tagen umziehen, sich eine Wohnung in Katalonien zu suchen, die Anmeldung der Wohnung zu meistern und mit jener die NIE-Nummer zu beantragen. Alle anderen, die wie ich auf der Hälfte des Weges liegenbleiben, dürfen auf spanischen Straßen hungern.
Entsprechend genervt, da mein erster Arbeitstag sich nähert (14. Juni), ich jedoch weder entsprechenden Laptop, noch Bestätigung des Jobs für die Beantragung der NIE-Nummer in den Händen halte, machte ich mich auf den Weg zur Confederación Nacional del Trabajo.

wp 1622608607880
Anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Barcelona

Stunden zu früh angekommen, begann ich die Gegend, also den Hafen Barcelonas, zu erkunden und stieß schnell auf eine arabische Imbissbude, die sich eine Nebenstraße weiter, direkt vor einem militärischen Planungsgebäude, befand. Die schwer bewaffneten Sicherheitsdienste, die gegenüberstanden, hatten scheinbar eine Photophobie und ich versprach der kommunikativen Wirtin des Café Beiruts nicht weiter aufzufallen: Zwischen den Sicherheitsleuten und den Mitarbeitern der Schawarmabude herrschte eine eigenartige Spannung. Als ich mich naiv erkundigte, ob das Gebäude nicht möglicherweise sicherheitspolitisch relevante Institutionen, wie beispielsweise nachrichtendienstliche Planungsstellen, beherbergen würde, lachte die Araberin laut auf und grüßte wild gestikulierend die gegenüberstehende Wache, woraufhin jene gequält lächelte.
Zugegeben: Ein interessanter Platz für eine arabische Imbissbude.

wp 1622607473540
Das militärische Planungsgebäude

Die Qualität des Fleisches war miserabel. Humus und arabischer Tee hingegen in Ordnung. Doch wer wirklich einen Geheimtipp benötigt, während er in einer der touristischsten Gegenden Barcelonas sicherheitspolitisches Sightseeing betreibt, oder auf das Gespräch mit einem Anwalt für Arbeitsrecht wartet, dem sei das Café Tatiana – de Especialidad, Specialty Coffee empfohlen. Ausgestattet mit der obligatorischen Siebträgerespressomaschine, feinsten, nicht-industriell gerösteten guatemalischen Bohnen und veganem Kuchen ist dieses nett eingerichtete Teehaus mit Sicherheit der Platz, an dem man(n) oder Frau sich in das WIFI anmelden und bei einem vorzüglichen Americano die Banausen auf der anderen Straßenseite beobachten möchte.
Direkt gegenüber scheint einer der vielen Glutamat-Asiaten, die es mittlerweile in jeder europäischen Kleinstadt gibt, eine Marktlücke entdeckt zu haben. Die Spanier, die bei ihm sitzen, trinken ein scheinbar im Vergleich zu den Innenstadtkneipen billiges Estrella-Bier und nutzen seine imperialistische Ausbreitung hin zum Café Tatiana, um sich direkt vor dem Café der alten Dame zu betrinken. Für gute Stimmung ist also auch trotz Pandemie gesorgt. Klar ist hingegen, dass die Spanier sich den guten Espresso, wie ein Bier in einer tatsächlichen Kneipe, aufgrund der spanischen „Malaise“ nicht leisten können, und sich daher bei dem Glutamat-Asiaten betrinken.

wp 1622607546182
Volle Stühle bei* dem Glutamat-Asiaten
*Die Stühle stehen dem Café Tatiana näher als an dem eigentlichen Asiaten: Imperialismus!

Tatiana benötigt also Hilfe. Ihr Café ist offensichtlich auf ein gut situiertes, nordeuropäisches Hipstermilieu ausgelegt, welches aufgrund des pandemischen Ausnahmezustandes schlechten Filterkaffee in Nordeuropa trinkt. Die Pandemie setzt ihr hart zu und dies obwohl sie den besten Ristretto der Stadt anbietet:

wp 1622607524075
Leere Sitzgelegenheiten bei Tatiana :'(
Mein rechter, rechter Platz ist frei …

Wer also in Barcelona 2-3 Joints zu viel geraucht hat und mit Koffein gegensteuern möchte, der ist mit Tatiana – Café de Especialidad, Specialty Coffee, bestens beraten:
Carrer de Rera Palau, 9, 08003 Barcelona

Formaljuristischer Hinweis:
Warum ist dieser kleine Aufruf, die alten Dame zu besuchen und ihren leckeren Kuchen zu kosten, als „Sponsored Content“ kategorisiert?
Nun, die Spanier haben vielleicht kaum Geld, aber ich habe gar keines, weshalb Tatiana mir nach Kuchen & Ristretto erlaubte zwei 35ct Bier aus dem Supermarkt nebenan zu kaufen und mich vor ihrem Café zu betrinken. Zudem entleerte ich meinen Darm in ihrer Toilette und lies mir, da ich kein Ladegerät dabei hatte, noch das Handy aufladen. Als ich mich nach Stunden verabschiedete, hatte ich beinahe ein schlechtes Gewissen, plauschte mir ihr über die wirtschaftliche Situation und versprach ihr meine Reichweite als Strainhunter zu nutzen, um ihr Teehaus auf die Karte zu bringen.
Da dies natürlich bedeutet, dass die alte Dame mich mehr oder weniger durch ihre Freundlichkeit bestochen hat – ich sparte mir mindestens 5€ durch die Biere vom Supermarkt – ist dieser Beitrag ein „Sponsored Content„.

wp 1622607506740
Aha.