Offener Brief an die Galerie Heldenreizer

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Sehr geehrte Frau Formisano,

im Rahmen der Ausstellung „AEnigma“ von Audrey Guttman in der Galerie Heldenreizer haben Sie ein Spinnen-Objekt gezeigt, das stilistisch an die Décalcomanie-Technik von Óscar Domínguez erinnert.

Mir ist aufgefallen, dass die Spinne nicht nur ein vieldeutiges Symbol in der Kunstgeschichte ist – bspw. als Anspielung auf Frauen -, sondern auch eine spezifische antisemitische Tradition hat: Im nationalsozialistischen Hetzblatt „Der Stürmer“ wurde die Spinne wiederholt als bildliche Assoziation zu Juden verwendet – als parasitär, ausbeuterisch, gefährlich.

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Vor diesem Hintergrund frage ich Sie:

· Ist Ihnen diese historische Symbolik bekannt?
· Besteht eine Verbindung zwischen Ihrer Spinnen-Darstellung und dieser Tradition – oder wäre das eine Fehlinterpretation?
· Sehen Sie in Ihrer Ausstellung möglicherweise selbst antisemitische Implikationen, auch wenn sie nicht beabsichtigt sein mögen?

Im Anhang finden Sie eine Karikatur aus dem „Stürmer“ zur Veranschaulichung.

Ich bitte um Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen
Julius Michel

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