New AEnigma²²











Send your poems to l’Oracle: Art@laemmergeier.info
Collected poems:
1.

2.
»Geben Sie Ihre Nachforschungen auf, die völlig nutzlos sind, und betrachten Sie diese Worte als zweite Warnung. Wir hoffen in Ihrem Interesse, daß keine weitere nötig sein wird.« Er ließ das Blatt sinken.
Diese Botschaft enttäuschte ihn in jeder Hinsicht; jedenfalls aber war es eine andere, als die er törichterweise für möglich gehalten hatte. Immerhin, der Ton war merkwürdig zurückhaltend, gänzlich ohne Schärfe. Er ließ erkennen, daß die Leute, die diese Botschaft gesandt, sich keineswegs sicher fühlten.“ (Arthur Schnitzler: Traumnovelle)
3. „In angelsächsischen Ländern sehen die Dirnen aus, als ob sie mit der Sünde zugleich die Höllenstrafe mitlieferten.“ (Adorno)
4. „Patient/innen, die an starken Schamgefühlen leiden, beschreibt Wurmser in vielen seiner Fallbeispiele mit einem maskenartigen Gesichtsausdruck. Das Gesicht einer Patientin beschreibt Wurmser als „wachsbleich, steif, maskenartig abgesperrt, undurchdringlich und starr“ (208) und als „gefrorene[.] blasse[.] Maske – ausdruckslos“ (5). Manche Patient/innen formulieren selbst: „Es ist, als ob ich eine Maske trüge.“ (Julia Freytag)
5.
„Den mächtigsten metaphysischen Atem strahlt in New York die Architektur aus; das ist ungeheuer überraschend, und es wäre der Mühe wert, allein deshalb den Ozean zu überqueren und die Seekrankheit zu ertragen. In den Gebäuden, in den Häusern von New York habe ich gefunden, was ich selbst in einem Teil meiner Malerei empfunden und ausgedrückt habe: die Einheitlichkeit und die harmonische Monumentalität, die aus unterschiedlichen und heterogenen Elementen zusammengesetzt ist.[…]so findet man in den Bauten von New York das Drama aller Bauten der Vergangenheit wieder; da ist das englische cottage, da ist der griechische Tempel und die byzantinische Kirche, da ist der römischsche Bogen und das Loireschloss, da ist der florentinisch-sche Palast und der venezianische Palast, und all das ist Stück für Stück mit höchster Meisterschaft aneinandergefügt, errichtet, geglättet, nuanciert, verschleiert, verschmolzen, vermischt, kurz, so gut präsentiert, dass man wirklich gar nichts sagen kann. Das ist die eine Seite der Architektur von New York; dann gibt es noch eine andere, die Architektur der Wolkenkratzer oder der riesigen Bauten, die, obwohl sie keine richtigen Wolkenkratzer sind, wegen ihrer außergewöhnlichen Proportionen beeindrucken. Vor allem über diese zweite Seite weht der rätselhafte Windhauch des Herbstnachmittags; sehnsüchtige, Nietzsche verwandte Ruhe der von der Herbstsonne beleuchteten Bauten, durchzogen vom schwachen Lichtschein der Wiedergenesenden, den Himmel und Erde nach dem hohen Fieber des Sommers haben. Dort kann man mit dem Geist bis in die höchsten Sphären schweifen, bis zu den Sphären, wo nicht einmal die mächtigen Persönlichkeiten angekommen sind, welche die Geschichte, nun schon seit langer Zeit, als Riesen des Denkens klassifiziert hat und deren Bild man im Verein mit einer mehr oder weniger langen Biographie im historischen Teil der bebilderten Enzyklopädien findet. Das Hotel Pierre in der Fifth Avenue, jener breiten, eleganten Straße, die die Grenze zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil der Stadt bildet, ist der Prototyp dieses in hohem Maße lyrischen und metaphysischen Baus. Weitläufige, mit Statuen geschmückte Terrassen, Banner in zarten oder glühenden Farben, die oben auf dem Gebäude im Wind des Ozeans flattern, verleihen dem Hotel die unermessliche Sehnsucht und Weite mancher Bilder der venezianischen Schule, von Tintoretto und Veronese; hohe Himmel und ferne Horizonte und den anderen Teil des Himmels, den anderen Teil der Welt erblickt zu zwischen den Bögen und in den leeren Räumen zwischen den Säulen, oder er erscheint durch die auf die heitere Luft geöffneten Fenster, durch die Fenster, die sich auf der deinem Blick verborgenen Seite des Gebäudes befinden, aber durch die du den Himmel und die fliehenden Wolken sehen kannst, denn sie sind auf der Sichtlinie des Fensters, das sich auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Weltteile zeigen sich hinter den hohen Mauern. Und du weißt, dass das Hotel innen voll schöner, eleganter Dinge ist; du kennst die Kunstwerke, die glatten Skulpturen, die Bilder in den breiten, schönen Rahmen, die die großen Salons und die mit Stoffen…“ (De Chirico)
Schreibe einen Kommentar