Death & Love

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AEnigma

„Nous aurions eu besoin de merveilleux mensonges.“ (Michel Houellebecq: Anéantir)

Es beginnt mit einer Currywurst mit Pommes. Ich war zarte 22, meine damalige Freundin Marie* flog für einen längeren Sprachaufenthalt nach Lyon, und ich hatte sie von Mittelfranken zum Flughafen Frankfurt gebracht. Am Flughafen bot mir ihre Mutter das Du an. Der Vater, der die Mutter betrog, fand das offenbar so skandalös, dass er sich die gesamten dreieinhalb Stunden Heimfahrt damit beschäftigte, sie vor mir herunterzumachen – dafür, dass sie mir das Du angeboten hatte. Sie bot es mir weiterhin an. Er wurde nur noch fuchtiger. So beginnt die Geschichte. Nicht mit Liebe, sondern mit einer Currywurst, Pommes und einem Vater, der sich an einer Du-Anrede festfährt.

Marie besuchte ich später in Lyon. Es war das Jahr 2015. Als ich wieder in Nürnberg war, sprach ich Henrietta* in der Diskothek an. Henrietta war so ziemlich die asozialste, polytoxischste und promiskuitivste Frau der Nürnberger Technoszene; ihr Ruf eilte ihr voraus. Ich hatte nicht die ehrenvollsten Ziele. Beim ersten Sex weinte sie und behauptete, sie sei vergewaltigt worden – was ich heute anzweifle. Damals bekam ich Mitleid. Ich verließ Marie für Henrietta.

Als Marie zurückkam, war zwischen Henrietta und mir längst mehr gelaufen. Ich beichtete Henrietta, dass ich Marie verlassen hatte und am Anfang noch eine andere Beziehung führte. Henrietta zwang mich, ein Foto von uns auf Facebook hochzuladen – der ganzen Welt und allen Frauen sollte klar sein, dass ich jetzt ihr gehöre. Marie sah es drei Tage nach der Trennung. Sie war not amused. Sie behauptete, sie habe einen Freund von mir gefickt. Sie hatte ihren Tiefpunkt erreicht.

Mit Henrietta hatte ich eine sehr schöne Zeit: viel Techno, viel Sex, oftmals auf Drogen. Es passte zu meiner damaligen Lebensphase. Charakterisieren lässt sich Henrietta am besten mit einem Track von KIZ, „Böses Mädchen“, oder mit Lulu von Alban Berg. Es war wunderschön, bis es nicht mehr schön war, sondern toxisch. Henrietta hat meines Erachtens eine antisoziale Persönlichkeitsstörung.

Marie, die eher unter einer abhängigen Persönlichkeitsstörung litt, begann nach der Beziehung ihr Studium an derselben Universität, am selben Institut. Irgendwann verließ mich Henrietta. Plötzlich zogen dunkle Wolken über mir am Soziologischen Institut der FAU auf. Gerüchte, ein massiv verschlechterter Ruf. Ich habe bis heute nicht herausgefunden, woher sie kamen. Ich vermute Ex-Partner-Stalking. Man kann selbst Überlegungen anstellen, wer dahintersteckte. Wir schrieben das Jahr 2016.

»Ich muss los«, murmelte Jennifer kaum hörbar vor sich hin. Sie fuhr ihren Rechner herunter. Es gab keinerlei Grund, später noch einmal ins Büro zurückzukehren. Sie hatte schon zu viele Berichte über liebeskranke Männer und Frauen gelesen, deren besitzergreifendes Denken letztlich in Gewalt umgeschlagen war.“

Ich traf Marie noch einmal am Bahnhof, als sie schon an meinem Institut studierte. Sie freute sich, mich zu sehen – obwohl ich am Ende der Beziehung ein Arschloch war. Ein wichtiges Detail meiner Liebesgeschichte.

Dann saß plötzlich eine Kommilitonin im Kurs, die einen ähnlichen Nasenring trug wie Henrietta. Nennen wir sie Borderline-Emma*. Acht Wochen lang empfand ich ein dumpfes Gefühl, gestalkt zu werden. Dann wurde die Polizei auf mich aufmerksam. Ich hatte mit Cannabis zu tun und Nürnberg liegt in Bayern. Es wurde sehr schnell sehr hässlich und – so habe ich es erlebt – faschistoid seitens diverser Sicherheitsbehörden: „Traumatize your shorty You’ll be dead before you’re forty“ (@P8stie). Ein dreiviertel Jahr nachdem diese Dynamik begann, empfahl mir jemand, den ich als Zivilpolizisten wahrnahm, Erich Fromms Die Kunst des Liebens. Angesichts einer Borderline- Emma mit ähnlichem Nasenring wie meine ASPD-Ex war das eher Victim Blaming. Warum mir dieses Buch empfohlen wurde (wegen Marie? Wegen Henrietta? Wegen Emma?), habe ich bis heute nicht herausgefunden. Man ist mir jede Antwort schuldig geblieben.

Long story short: Ich versuchte mich zu wehren. Mit journalistischen Recherchen. Ich interviewte den armenischen Botschafter, lernte eine Brasilianerin kennen, mir wurde ein Schnulli gezeigt, ich wurde zu einer Wahlbeobachtermission nach Bergkarabach eingeladen. Ich arbeitete bei der Deutschen Bank und recherchierte, wurde dort gedemütigt, bekam in den Niederlanden massive Probleme mit gewissen three letter agencies. Das ist nun fünfeinhalb Jahre her. Mein Leben ist nicht besser geworden.

Von 2017 bis 2019 lief die initiale Vernichtungsdynamik, als Borderline-Emma im Kurs saß. Ich brach mein Studium ab. 2020 bis 2021 wehrte ich mich mit Recherchen. Seit 2022 bin ich Opfer massiver coercive control. Dating-App-Matches habe ich keine mehr, Freunde wurden teilweise umgedreht, ich hatte zwei Jahre Penisschmerzen ohne medizinische Ursache, ganz abgesehen von Vorfällen, die mir ohnehin niemand glauben würde.

„PMS doesn’t distort reality – it merely interrupts her ability to cope with it. To put it another way: if she only tries to murder you when she’s on PMS, that doesn’t mean you don’t deserve it. It just means that the rest of the time, she’s managing to tolerate what might, in fact, be intolerable“ — (Julie Reshe, Feminist Depressive Realism)

Inzwischen werden Bücher wie Die Kunst des Lebens und Kunst des Sterbens von Lorenz Jäger publiziert. Und von der Lacan-Schülerin Julie Reshe der Sammelband Death and Love. Ob sie sich in der Tradition Erich Fromms sieht, weiß ich nicht. Die Zeit publizierte vor kurzem den Artikel „Wenn Männer die Wirklichkeit ins Gegenteil verkehren“. Manchmal verkehren auch Frauen die Wirklichkeit ins Gegenteil. Mit Liebe hat das Ganze jedenfalls nichts zu tun. Ich hatte nach Henrietta andere Frauen. Bis Borderline-Emma in mein Leben trat.

Ich suche seit sechs Jahren eine Beziehung und finde keine Liebe mehr – nicht unter diesen Umständen. Nach Henrietta wollte ich vier Jahre lang keine Beziehung. Seit 2020 wäre ich bereit. Aber es geht nicht. Mein Privatleben ist seit Borderline-Emma in mein Leben trat mehr oder minder Geschichte, und jeder versucht mich zu gaslighten, dass mein Fall mit Liebe zu tun habe. Deswegen wollte ich meinen Beitrag fürs Lexikon der Liebe leisten.

Das ist die Kurzfassung. Sie heißt AEnigma, weil ich bis heute nicht weiß, wer für die dunklen Wolken verantwortlich war. Und weil Liebe manchmal nur das Wort ist, das andere benutzen, wenn sie über etwas ganz anderes reden: „The poor little fish is supposed to follow a certain path. ⬆️“ (Julie Reshe)

„The sculptures exhibited in the Gallery space are part of the series They Dream in My Bones – Insemnopedy II (2023), a fictional installation that unfolds across multiple media (a VR film, a textile installation, a series of drawings) to immerse us in the mental space of Roderick Norman, a researcher in oneirogenetics—the science he founded that allows extracting dreams from the DNA of an unknown skeleton.[…]Water is often seen as a symbolic element of passage or rebirth.“ (AEnigma)
https://en.heldenreizer.com/aenigma

*Namen wurden vom Autor geändert. Henrietta und Emma sind nach entsprechenden Fallbeispielen im Buch »Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst« von Fonagy et. al. benannt worden, wobei im Falle von Emma auch Rebecca gepasst hätte.

Der Text wurde größtenteils unter Beihilfe von KI geschrieben.

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